Slavische Philologie - Slavistik
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Antwort

Neben den Lautsprachen werden im slavischen Raum auch zahlreiche Gebärdensprachen verwendet. Die slavischen Lautsprachen sind eng miteinander verwandt: Sie haben sich aus einer gemeinsamen Ursprache entwickelt und weisen so viele Gemeinsamkeiten auf, dass sie teilweise gegenseitig verständlich sind. Daher könnte man vermuten, dass dies auch für die Gebärdensprachen gilt. Doch das ist ein Irrtum.

Die Gebärdensprachen, die in den slavischen Ländern von gehörlosen und anderen gebärdensprachigen Menschen genutzt werden, sind häufig deutlich weniger miteinander verwandt. So wurde beispielsweise die polnische Gebärdensprache von der deutschen Gebärdensprache beeinflusst, während die tschechische Gebärdensprache mehr Gemeinsamkeiten mit der italienischen Gebärdensprache aufweist.

Die Vielfalt der Gebärdensprachen zeigt sich u. a. auch im Wortschatz. Schätzungen zufolge sind etwa 70–80 % der Lexik des Slovakischen und Tschechischen identisch oder sehr ähnlich. Bei den entsprechenden Gebärdensprachen hingegen unterscheidet sich mehr als die Hälfte des Wortschatzes.

Dass dies nicht nur für die westslavischen Sprachen gilt, zeigen auch die Bilder aus dem online Wörterbuch https://www.spreadthesign.com. In allen drei Fällen wird das Zeichen für „Kater“ gezeigt – auf Russischer, Ukrainischer und Belarussischer Gebärdensprache. In den entsprechenden Lautsprachen sind die Wörter strukturell nahezu identisch: кот (Russisch und Belarussisch) bzw. кіт (Ukrainisch). Die Gebärden hingegen unterscheiden sich deutlich und beruhen jeweils auf unterschiedlichen Motivationen.

MR


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