Slavische Philologie - Slavistik
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Antwort

Dabei handelt es sich um ein orthographisches Prinzip, das in der Schreibung die sprachgeschichtliche Herkunft (Etymologie) bewahren will. Als ab Mitte des 19. Jahrhunderts Grammatiken und Rechtschreibnormen für das Serbische und Kroatische entwickelt wurden, stellte sich für die Rechtschreibung die Frage, welcher Dialekt verwendet werden sollte: der ekavische, ijekaivsche oder ikavische. Der Unterschied besteht in der Entwicklung des alten Lautes Jat (ě), der sich im Lauf der Zeit dialektal zu i, ije bzw. e (vg. mliko, mlijeko, mleko vs. altkirchenslavisch mlěko ‚Milch‘) entwickelt hat. In seiner Illyrischen Grammatik (1854) vertrat Vjekoslav Babukić (1812–1875) das „etymologische“ Prinzip: schreib den alten Laut, der allen Dialekten gemeinsam ist, sprich ihn aber so aus, wie es in deinem Dialekt üblich ist (d. h. Govori za uši, a piši za oči). Das gegenteilige Prinzip – „Schreib, wie du sprichst, und lies, wie du schreibst“ (Piši kao što govoriš, a čitaj kao što pišeš) – wurde von Vuk Karadžič (1787–1864) vertreten und ist heute die Grundlage der serbischen Rechtscheibung.

BS


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