Slavische Philologie - Slavistik
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Bericht: Stefan Hermann Odoj

Sehr beindruckend fand ich den Vortrag von Frau Dr. Schablij “Translation oder Transplantation? (moderne Risiken der ukrainischen juristischen Übersetzung)“ an der Nationalen Taras-Schevtschenko-Universität Kyjiv.

Ich habe öfters mit kroatischen und serbischen Verträgen und behördlichen Bescheinigungen im Bereich des Steuerrechts zu tun. Übersetzungen von Dolmetschern und Übersetzern sind häufig unter rechtlichen Aspekten nicht korrekt. Ein einziger im juristischen Sinne falsch übersetzter Begriff kann weitreichende (z.B. steuerrechtliche) Konsequenzen haben. Ähnliches wie die Ukraine mussten auch die Nachfolgestaaten Jugoslawiens nach den Unabhängigkeits- und Bürgerkriegen in den 1990er Jahren bewerkstelligen.

Beispielsweise galt das 1987 in serbokroatischer, deutscher und englischer Sprache(aber nicht in slowenischer und makedonischer Sprache!) abgefasste Doppelbesteuerungsabkommen auch in Slowenien und Mazedonien nach Erlangung der Unabhängigkeit noch viele Jahre fort. Die gleiche Situation herrschte auch in der Ukraine. Das mit der UdSSR in russischer und deutscher Sprache geschlossene Doppelbesteuerungsabkommen galt bis 1996 auch in der Ukraine. Die Terminologie der nunmehr in der Ukraine geltenden Jurisdiktion wurde lange Jahre nur in russischer Sprache weiterentwickelt.

Frau Schablji stellte sehr anschaulich die verschiedenen nationalen und internationalen Aspekte juristischer Übersetzung und deren "Fallstricke " dar. Ihr Plädoyer, eine Lösung könne nur interdisziplinär, im Zusammenwirken von juristischer und philologischer Kompetenz liegen, kann ich aus praktischer Erfahrung nur begrüßen. Frau Dr. Schablij hat sozusagen den Nagel auf den Kopf getroffen. Zu wenige Dolmetscher und Übersetzer, teilweise auch beeidigte, verfügen über die notwendige juristische Fachkompetenz. Dieser Aspekt ist in der Öffentlichkeit leider nur wenig bekannt.