Slavische Philologie - Slavistik
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Bericht: Dimitrina Petkova-Dimitrova

Kyjiv - die grüne Metropole am Dnipro

Der Legende nach ist Kyjiv (die Stadt von Kyj) von Kyj und seinen Geschwister im 6. Jahrhundert nach Christus gegründet.

Bereits am ersten Tag unserer Studienreise und nach einem frühen aber sehr angenehmen Flug über Wien begegneten wir der Metropole am Dnipro (Dnjepr). Unser Aufenthalt dauerte nicht lange. Wir sind relativ schnell zum Zentrum gebracht worden und nachdem wir kurzzeitig wegen des starken Hagelns in Deckung gegangen sind, konnten wir den Kontraktova-Platz, einen ehemaligen Handelsplatz besichtigen. Nach einer verdienten Verstärkung im traditionellen ukrainischen Restaurant „Puzata Hata“ verließen wir die Hauptstadt und machten uns auf dem langen Weg nach Mykolajiv.

Nach 3 Tagen, erfüllt mit neuen Eindrücken und Erlebnissen kehrten wir wieder nach Kyjiv zurück. Unsere Unterkunft befand sich sehr sehr zentral (Hotel „Dnipro“), an der Hauptstrasse Chreschatyk, hatte einen netten ex-kommunistischen Flair und eine Bar namens „München“. Es war auch der Tag der Stadt Kyjiv und obwohl es schon relativ spät war, haben wir die Feierlichkeiten miterlebt. Einige nutzten die Gelegenheit, sich den berühmten Hauptplatz der Stadt Majdan Nesaleschnosti anzuschauen und entlang des Chreschatyk zu flanieren.

Am nächsten Tag, kurz nach dem tollen Frühstück in wunderbarem Ambiente, starteten wir unseren Marathon durch die Stadt (leider nicht mit unseren inzwischen liebgewordenen Bus). Zuerst besichtigten wir verschiedene Denkmäler wie z. B für den Holodomor, errichtet anlässlich des großen Hungersnot in den Jahren 1932, 1933 und die Mutter-Heimat-Statue, der Riese errichtet zum Gedenken an den sowjetischen Sieg im Großen Vaterländischen Krieg. Nachher wurden wir zurück in der Vergangenheit versetzt als wir das alte russisch-orthodoxe Kloster der Kiewer Rus (Höhlenkloster oder „Lawra“) besuchten. Wir bewunderten zahlreiche Kirchen, Kathedralen und Klöster und erfuhren interessante Informationen über die Geschichte und die Bedeutung dieses sakralen Komplexes. Unsere Fahrt durch die Geschichte Kyjivs rundeten wir mit dem Besuch des Goldenen Tores, ein teils erhaltenes, teils restauriertes befestigten Stadttor, errichtet vor 1000 Jahren vom Kiewer Großfürst Jaroslav dem Weisen.

Am Nachmittag blieben wir im historischen Stadtviertel Podil und schlenderten durch die vielleicht älteste Straße der Stadt - der steile Andreassteig, der wegen seiner Künsterl und Maler auch Kiewer Montmartre genannt wird. In der oberen Stadt sahen wir vom weiten die Andreas Kirche, die Namensgeberin der Straße, die wir wegen Restaurierung nicht besichtigen konnten. Auf dem Weg in die untere Stadt machten wir einen kleinen Abstecher zu einem der wunderschönsten Aussichtsplätze Kyjivs mit wunderbarem Blick auf den majestätischen Fluss und auf das linke, stark mit Platenbauten bebaute Ufer.

Ein Highlight des Tages war der Besuch des Bulkagow-Museums. Das war eine lehrreiche Reise in die Welt des Schriftstellers aus seiner Kiewer Zeit und wir hatten alle die Gelegenheit uns in den Protagonisten des Romans „Die Weiße Garde“ hineinzuversetzen.

Das Kulturprogramm des Tages beendeten wir mit einer Fahrt mit dem Funikulär zurück in die obere Stadt und anschließend mit dem Besuch der Nationalen Taras-Schevtschenko-Universität, in deren Hauptgebäude ein beeindruckendes Museum über die Geschichte der Universität untergebracht ist.

In unserer Freizeit hatte dann jeder die Stadt auf seine Art und Weise erkundet. Einige besuchten die tiefste U-Bahnstation der Welt, andere besorgten noch Souvenirs und Geschenke.

Alle bewunderten aber die unendlichen Parkanlagen und die wunderschönen Aussichtsplätze der Stadt, die nicht nur die Touristen anziehen. Die Hügel am rechten Ufer des Dnipro sind sehr beeindruckend und eröffnen tolle Aussichten auf das sonst relativ flache Land.

Spät am Abend probierten alle zum letzten mal das einheimische Bier und das ukrainische Essen bevor wir am nächsten Tag mit schweren Herzen unsere Reise beendeten.

Immer noch erinnern sich alle an das meistgesungene ukrainische Lied und haben vielleicht schon einige typisch ukrainische Rezepte ausprobiert. Für mich persönlich eine große Überraschung war die ukrainische Sprache. Ich hätte nie gedacht, dass sie sich so viel vom Russischen unterscheidet und manchmal so „unverständlich“ sein kann. Überraschend war auch wie „grün“ eigentlich Kyjiv ist. Und nicht zuletzt muss man die zahlreichen Kirchen und Kathedralen erwähnen. So weit das Auge reicht, reihen sich die goldenen Kuppeln.

Grün, gold und blau waren die Farben in Kyjiv. So werden wir die Metropole am Dnipro in Erinnerung behalten.