Slavische Philologie - Slavistik
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Bericht: Angelika Bohuzki

Am Freitag, unserem zweiten Exkursions-Tag in der Ukraine, war der Besuch zweier deutscher Dörfer geplant. Beide liegen etwa 50 km von Mykolajiv entfernt. Unsere Busfahrt wurde von einer netten Dame begleitet, die uns mit Informationen über Odessa-Deutsche und ihrer Siedlungsgeschichte belehrte – Von ihren Anfängen und Schwierigkeiten bis zu der Diaspora nach dem zweiten Weltkrieg.

Eine Teilstrecke zeigt die hervorragenden Qualitäten der ukrainischen Straßen. Ich nenne es: praktisch-orientierte Landeskunde I. (Hier wäre vielleicht noch zu erwähnen das unser Busfahrer Jurij eine Glanzleistung an den Tag legte, welche ich noch nie gesehen habe, und ich bin fast jedes Jahr in der Ukraine und auf ihrer Straße... jedes Hindernis umfuhr er elegant und brachte uns an unsere Zielorte).

Zuerst übersahen wir die richtige Abbiegung, und sind dann eine geschätzte halbe Stunde in die falsche Richtung gefahren, – Richtung Odessa. Hätten wir gewusst mit welchem Wetter uns Odessa am nächsten Tag begrüßen wird, wären wir wahrscheinlich weitergefahren.

Keiner will im Regen durch so eine schöne Stadt laufen und einen sonnigen Tag im Museen verbringen. Schade.

Wir wurden von einer älteren Dame vor dem Gemeindehaus begrüßt. Sie war auch die Museumsdirektorin, die alleine das kleine Museum aufgebaut hat. Und mit klein, meine ich klein. In zwei Zimmern waren ihre gesammelten Objekte aufgestellt oder aufgehängt.

Und als sie und einige Schulabsolventen aus dem Dorf uns begrüßten könnte ich schwören sie hätte fast vor Freude geweint. Sie schien auch sehr stolz auf das Kulturerbe des Dorfes zu sein, obwohl sie selber nicht mit den deutschen Aussiedlern verwandt ist.

Sie zeigte uns Ausstellungsstücke und erzählte uns vom Dorf. Und erzählte uns stolz von den ausgesiedelten Odessa-Deutschen aus Amerika, die sie unterstützten.

Am Ende führte sie uns zu sich nach Hause. In dem Haus, in dem sie auch selbst mit ihrem Mann wohnt, hat sie ein Zimmer abgeteilt, welches sie mit originalen Möbeln etc. ausstellte, eben wie das Zimmer im 19. Jahrhundert ausgesehen haben musste.

Am Ende verabschiedete sie uns mit einem kleinen selbst-gedichtetem Lied. Am liebsten hätte sie uns noch zu Kuchen und Tee da gehabt, aber leider waren wir in Zeitnot und die zweite Museumsdirektorin im benachbarten Ort, war schon mächtig sauer, dass wir nicht typisch Deutsch pünktlich waren.

Bevor es zum zweiten Besuch eines Museums ging, aßen wir zu Mittag in einem Gemeinderaum/ Diskothek/ Restaurant / Bar.

Hier haben wir auch das berühmte ukrainische сало probieren können. (Zu mindestens die Nicht-Vegetarier unter uns. Aber es war auch mit so vielen Gewürzen bestreut, dass es nicht mehr nach echtem сало schmeckte...traurig sowas....)

Das zweite Museum war größer als das erste, und hatte mehrere Zimmer, die wir uns nicht alle ansehen konnten. Auch hier erfuhren wir die Geschichte des Dorfes, die aber sehr eng mit dem anderen Dorf verbunden bzw. ähnlich ist.

Es war ein sehr schöner Vormittag in den Dörfern, der uns mit sehr vielen Eindrücken und Erinnerungen bereichert hat.