Slavische Philologie - Slavistik
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Studentisches Projekt „Das russische Berlin der 20-er Jahre“

Mit Maria Levchenko beginnt am Wittenbergplatz unsere Zeitreise in das Berlin der Zwanzigerjahre.

Fotos aus der Zeit der Weimarer Republik vermitteln uns eine Vorstellung davon, wie das damalige russische Zentrum der Stadt aussah.

Am Wittenbergplatz 3a, der ehemaligen Adresse des russischen Verlags "Slovo", setzt sich unsere Spurensuche fort. Hier berichtet Anastasia Pustovit über die russischen Verlage im Berlin der frühen Zwanzigerjahre.

Bei dieser Station erfahren wir auch von den zahlreichen russischsprachigen Zeitungen und Zeitschriften, die zu dieser Zeit in Berlin herausgegeben wurden, wie der hier gezeigten prachtvoll illustrierten Monatsschrift "Jar-Ptitza" (Feuervogel).

Der Weg zu unserer nächsten Station führt uns durch Berlin, das durch Kriegszerstörungen und Nachkriegsumgestaltung gekennzeichnet ist. Um auf die Spuren des alten Berlins zu kommen, bedarf es historischer Dokumente wie z.B. alte Stadtpläne und Zeitungsannoncen.

Der Abgleich verschiedener Stadtpläne zeigt, dass sich in der heutigen Geschäftsstelle der "Urania" der russische Symbolist Andrej Bely bei Thomas Mann für die Unterstützung der Not leidenden russischen Schriftsteller bedankte. Davon berichten uns Lea Kühne und Lena Demmeler.

Im Foyer finden wir Schutz vor den kalten Berliner "Nordostwinden", über die auch schon Ilja Ehrenburg geklagt hatte.

Das Foto zeigt den Dichter Sergei Jessenin gemeinsam mit seiner großen Liebe Isadora Duncan. Das Berliner "Haus der Künste" (Dom iskusstv), das als Pendant zu der gleichnamigen Petrograder Institution im Berliner Exil gegründet wurde, lud Jessenin ein, aus seinen Werken vorzulesen.

Kerstin Baur eröffnet uns mit ihrem Vortrag über das jüdische Leben innerhalb des russischen bzw. russischsprachigen Berlins eine ganz neue Sichtweise.

Weiter geht es zum Nollendorfplatz: Dort zeigt uns Ramona Nickl die Richtung zum "Gleisdreieck", das einst die russischen Gäste so faszinierte. Was die russischen Reisenden nach ihrer Ankunft in Berlin sahen, veranschaulichen alte Bilder.

Wir erleben selbst, wie die Berliner U-Bahn "aus dem Boden herausfliegt" – so beschrieb es schon Viktor Schklowskij in seinem Buch "Zoo oder Briefe nicht über die Liebe".

In der berühmt-berüchtigten Motzstraße erzählt uns Nicole Bertelshofer vom nächtlichen Berlin, das Andrej Belyj in seinem Buch "Eines der Domizile im Reich der Schatten" so kraftvoll geschildert hat: "Nacht! Tauentzien! Kokain! Das ist Berlin!"

In derselben Straße lebte Rudolf Steiner – der Gründer der Anthroposophie, eine geistige Vaterfigur für Schriftsteller Andrej Belyj.

Im Inneren des Hauses erfahren wir von Robert Pawlowski von den tragischen Erlebnissen Belyjs, für die Berlin ein weiterer Schauplatz war.

An der nächsten Station, dem Viktoria-Luise-Platz, geht unsere Tour weiter. Eugenija Dymel berichtet vom Leben in den Pensionen, die von den Wilmersdorfer Kriegswitwen an Emigranten vermietet wurden. Die unsympathische deutsche Zimmerwirtin ist ein Leitmotiv vieler Berliner Erinnerungen.

Zwei berühmte Bewohner der ehemaligen Pension "Crampe" (Hausnummer 9) waren der große russische Dichter Wladislaw Chodassewitsch und Nina Berberowa, Autorin von "Kursiv moj" – einem der interessantesten russischen Memoirenwerke des 20.Jahrhunderts, das wir im Seminar gelesen haben.

Anke Oehler und Lisa Füchte geben uns Einblicke ins Berliner Leben von Vladimir Nabokov vor dem Haus, in dem er seinen ersten Roman "Maschenka" verfasste.

Bei heißem Borschtsch im russischen Restaurant "Potemkin" lassen wir den vergangenen Workshop und unsere Spurensuche nochmals Revue passieren.

Das Ende der Exkursion bildet ein Besuch des Wohnhauses in der Trautenaustraße 9. Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert an die Dichterin Marina Zwetajewa.

Vom 19. bis 21.12.2014 fand eine Exkursion nach Berlin statt, die den Abschluss des Seminars "Berlin mit russischen Augen" (unter Leitung der Dozentin Anna Shibarova) bildete. Nach eingehender Lektüre von zahlreichen Texten russischer Intellektueller zum Berlin der 20-er Jahre wurde diese Fahrt organisiert, um das berühmte und viel beschriebene Phänomen "des russischen Berlin" zwischen 1921–1923 vor Ort zu erkunden. Die Exkursion wurde im Laufe des Semesters von den Studierenden unter der Leitung von Frau Shibarova vorbereitet und in Berlin in Form eines Workshops durchgeführt. Dabei wurden folgende Schwerpunkte besonders berücksichtigt:

  • die Geschichte der russischen Verlage Anfang der 20-er Jahre in Berlin;
  • die Geschichte der wichtigsten kulturellen Institutionen, die auf der Achse Petrograd–Berlin kulturelle Kontinuität sichern sollten (am Beispiel "Haus der Künste");
  • die Topografie der deutsch-russischen intellektuellen Verbindungen des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts;
  • die Spurensuche der Berliner Adressen von russischen Schriftstellern und Dichtern, die unterschiedlich lang in Berlin lebten und wirkten. (Andrej Belyj, Vladimir Nabokov, Marina Cvetaeva, Ilja Ehrenburg, Vladislav Chodassewitsch u.a.);
  • die Analyse der Alltagssituation der russischsprachigen Gemeinde in Berlin zwischen zwei Weltkriegen aus der Nahperspektive.

Die Exkursion wurde in russischer Sprache durchgeführt.